Besonderes für Rollstuhlfahrer

Grundsätzlich sollten sich Rollstuhlfahrer genauso ernähren wie Fußgänger. Es gibt aber – abhängig von der Verletzungsart bzw. der Erkrankung einige Dinge, die für diese Personen besonders wichtig sind, und einiges, was zusätzlich zu beachten ist.

Wenn man viel sitzt, ist die Gefahr von Druckstellen durch die Dauerbelastung und verminderte Durchblutung besonders hoch. Neben der Entlastung kann die Ernährung auch dazu beitragen, die beanspruchte Haut zu schützen. Deshalb sollten Rollstuhlfahrer auf eine ausgewogene Ernährung achten und Mangelerscheinungen vermeiden. Eine unterversorgte Haut ist natürlich anfälliger für Verletzungen und Dekubitus. Vor allem eine ausreichende Vitaminversorgung, insbesondere mit Vitamin A bzw. Betacarotin aus Fisch, Milchprodukten, grünem, rotem und gelben Gemüse ist für den Hautschutz wichtig. Außerdem sollte ausreichend Zink (7-10 mg) aufgenommen werden, das die Hauterneuerung unterstützt, der Wundheilung dient (wichtig bei Dekubitus!) und für den Eiweißstoffwechsel benötigt wird. Zink ist vor allem in Fisch, Milchprodukten und Nüssen enthalten. Eine gute Versorgung mit hochwertigem Eiweiß aus Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten, begrenzt auch aus Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und Kernen etc. ist unbedingt notwendig, da die Haut aus Eiweißen besteht und sich regelmäßig erneuert. Auch durch geschickte Kombination verschiedener Eiweiße lassen sich besonders gute Effekte erzielen (biologische Wertigkeit erhöhen). Achten muss man bei der Eiweißaufnahme aber darauf, dass nicht gleichzeitig zu viel ungünstiges Fett gegessen wird, also nicht frittiertes Fleisch, nicht zu fettreichen Käse etc. wählen.

Bei Rollstuhlfahrern mit einer Querschnittlähmung oder anderen muskelzehrenden Schädigungen ist eine hautfreundliche Ernährung besonders wichtig, da die belasteten Hautpartien aufgrund fehlender Muskulatur dem Druck des Körpergewichts noch direkter ausgesetzt sind.

Der Energiebedarf von Rollstuhlfahrern hängt wie bei allen Menschen wesentlich von der körperlichen Aktivität, aber auch von genetischen Faktoren ab.

Grundsätzlich haben Querschnittgelähmte wegen der fehlenden Muskulatur im gelähmten Bereich in Ruhe aber einen geringeren Bedarf als Nichtgelähmte.

Der sogenannte Ruheenergieverbrauch, die Energie, die benötigt wird, um in völliger körperlicher Ruhe Grundfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung etc. aufrechtzuerhalten, wird nämlich von der Muskelmasse des Menschen beeinflusst. Abhängig von der Höhe und der Vollständigkeit der Lähmung und des damit verbundenen Muskeldefizits kann der Kalorienbedarf mehr oder weniger stark von dem einer vergleichbaren nichtgelähmten Person abweichen. Bei sehr aktiven Rollstuhlfahrern mit ausgeprägter Muskulatur und entsprechender genetischer Veranlagung kann er allerdings sogar über dem eines vergleichbaren Fußgängers liegen.

Motorisch inkomplett Gelähmte mit einer sehr tiefen Läsion haben demnach einen höheren Ruheenergieverbrauch als Menschen mit einer hohen motorisch kompletten Läsion, weil erstere einen deutlich höheren Anteil an innervierter und damit energieverbrauchender Muskulatur haben. Dazwischen gibt es viele Abstufungen und man darf den Einfluss der körperlichen Aktivität auf die Muskelmasse auch bei Querschnittgelähmten nicht vergessen. So kann jemand mit einer hohen Tetraplegie durch optimales Training die noch innervierte Muskulatur kräftigen, und sogar einen höheren Ruheenergieverbrauch haben, als jemand mit einer tiefen Paraplegie, der die verbliebenen Muskeln wenig nutzt, trainiert und nicht weiter aufbaut. Es ist also auch für Hochgelähmte möglich, den Ruheenergieverbrauch zu erhöhen, dadurch mehr Kalorien zu verbrauchen. Dazu muss er natürlich körperlich aktiv sein. Hier wird die Bedeutung des Rollstuhlsports gerade für Menschen mit geringeren Restfunktionen, aber auch für alle anderen Rollstuhlfahrer mit reduzierter Muskelmasse deutlich.

Selbst wenn man sich „nur“ auf Oberkörpergymnastik beschränkt, kann der Gewinn an Muskulatur und damit auch an Selbständigkeit spürbar sein. Wenn man sich häufiger selbst entlasten kann, ist gleichzeitig auch die Gefährdung der belasteten Hautpartien geringer. Durch den höheren Energieverbrauch kann man außerdem sein Gewicht besser im Griff haben, was die Hautbelastung weiter verringert. So kommt das Eine zum Anderen und Ernährung und Bewegung stehen in einem ganz wichtigen Wechselverhältnis.

Rollstuhlfahrer trainiert mit Theraband
Training mit Theraband

Zum Energieverbrauch in Ruhe kommt noch der Verbrauch unter Belastung, der sogenannte Leistungsumsatz hinzu.

Da die körperliche Aktivität bei vielen Rollstuhlfahrern gering ist, gilt das auch für Ihren Leistungsumsatz. Der Gesamtenergieverbrauch – in Ruhe und unter Belastung – ist somit bei diesen stark reduziert. Wer vor Eintritt von Lähmungen ein aktiver Mensch war, der sich viel bewegt hat und entsprechend Kalorien aufnehmen konnte, wird als Rollifahrer schnell Gewichtsprobleme bekommen, wenn er weiter so isst wie früher, aber körperlich weniger aktiv ist. Die Kalorienaufnahme muss also unbedingt angepasst werden, wenn die Aktivität nicht deutlich erhöht wird. Dies ist natürlich schwierig, wenn man sich schon lange ein bestimmtes Essverhalten angewöhnt hat, aber aus den genannten Gründen unbedingt notwendig. Übergewicht birgt darüber hinaus eine vermehrte Gefahr für die Haut, da einfach mehr Masse auf ihr lastet. Untergewicht ist ebenso gefährlich, weil die Haut dem (zwar etwas geringeren) Druck wiederum direkt ausgesetzt ist und eine nur dünne Hautschicht auf dem Knochen liegt. Der BMI als gängiger Parameter (Hilfsgröße) zur Beurteilung der Körperzusammensetzung und damit zur Einstufung in Über-, Unter- oder Normalgewicht kann bei Querschnittgelähmten nicht angewandt werden, da ihre Körperzusammensetzung eine grundsätzlich andere ist. Das Gewicht muss deshalb individuell beurteilt werden.  

Da bei vielen Rollstuhlfahrern die Verdauung beeinträchtigt ist, sei es durch eine Darmlähmung oder nur Darmträgheit infolge der Inaktivität, muss besonders auf die individuelle Verträglichkeit der Nahrung geachtet werden.

Gegebenenfalls sollte man auf schwer verdauliche Nahrungsmittel verzichten. Dazu gehören u. a. Frittiertes und Paniertes, scharf angebratenes Fleisch oder Fisch, sehr fetthaltige Speisen, sehr Süßes oder Kohlgemüse. Stattdessen sollten viele ballaststoffreiche Lebensmittel gegessen werden, da diese die Verdauung fördern. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen (mind.1,5 l), damit der Nahrungsbrei durch die Ballaststoffe aufquellen kann und dem Körper dafür kein Wasser entzogen werden muss. Dann passiert nämlich das Gegenteil und die Ballaststoffe stopfen.  Weiterhin sollte man regelmäßig und nicht in zu großen Mengen essen, also morgens, mittags, abends und vielleicht mal eine Zwischenmahlzeit.

Folgendes sollten Rollstuhlfahrer also berücksichtigen:

1. Auf eine ausreichende Nährstoffversorgung der Haut, insbesondere mit Eiweiß, Zink und Vitamin A achten.

2. Starkes Über- oder Untergewicht vermeiden, um die Druckbelastung der Haut zu minimieren.

3. Den verringerten Energiebedarf berücksichtigen, also weniger Kalorien aufnehmen als vor der Zeit im Rollstuhl (oder als Fußgänger). Alternative: Energieverbrauch durch mehr Bewegung erhöhen und dadurch Muskelzuwachs und größeren Leistungsumsatz erreichen.

4. Auf gute Verdaulichkeit der Lebensmittel Wert legen. Seltener besonders fettreich, süß oder scharf essen und blähende Gemüse reduzieren. Ballaststoffreiche Ernährung und viel Trinken unterstützt die Verdauung ebenso wie körperliche Bewegung.

Bei der Umsetzung helfe ich Ihnen gern!

https://www.essfit.de/meine-angebote/

Schreibe einen Kommentar